Legionellen im Warmwasser: Wie die Trinkwasserinstallation hygienisch bleibt
Legionellen vermehren sich dort, wo Wasser lauwarm ist und lange steht. Die wirksamsten Gegenmittel sind deshalb einfach zu benennen: Das Warmwasser muss ausreichend heiß gehalten werden, das Kaltwasser muss kalt bleiben, und an jeder Entnahmestelle muss regelmäßig Wasser ausgetauscht werden. Wo das nicht sichergestellt ist, hilft keine Nachrüstung.
Warum Temperatur und Stillstand zusammenhängen
Die Bakterien sind in kleiner Zahl im Wasser vorhanden, das ist normal. Zum Problem werden sie erst, wenn sie sich stark vermehren, und dafür brauchen sie zwei Bedingungen: eine Temperatur im lauwarmen Bereich und Zeit. Beides zusammen entsteht in ungenutzten Leitungssträngen, in zu kühl betriebenen Speichern und in Kaltwasserleitungen, die neben warmen Rohren verlaufen und sich dort aufwärmen.
Gefährlich wird das Wasser nicht durch Trinken, sondern durch Einatmen feiner Tröpfchen, wie sie beim Duschen entstehen. Deshalb sind Duschen und alles, was Aerosol erzeugt, die kritischen Stellen.
Daraus folgt eine praktische Konsequenz, die oft überrascht: Nicht jede Entnahmestelle ist gleich kritisch. Ein Handwaschbecken erzeugt kaum Aerosol, eine Dusche sehr viel. Wenn Sie also überlegen, wo Sie besonders aufmerksam sein sollten, ist die Dusche im selten genutzten Gästebad der wichtigste Punkt im ganzen Haus.
Die drei Grundregeln der Installation
- Warm bleibt warm: Der Speicher und das Zirkulationsnetz werden auf einem Niveau betrieben, das Vermehrung verhindert. Wie hoch das anzusetzen ist, sagt Ihnen der Fachbetrieb nach den geltenden technischen Regeln.
- Kalt bleibt kalt: Kaltwasserleitungen dürfen sich nicht erwärmen. Sie brauchen Abstand zu warmen Leitungen oder eine ordentliche Dämmung.
- Es muss fließen: Jede Entnahmestelle wird regelmäßig genutzt, damit das Wasser ausgetauscht wird.
Diese drei Regeln erklären fast alle Probleme, die in der Praxis auftreten. Wer sie durchsetzt, hat das Wesentliche getan.
Der unterschätzte Punkt: ungenutzte Stellen
Das Gästebad, das nie benutzt wird. Die Außenzapfstelle im Winter. Die Leitung zum ausgebauten Waschbecken, die nur abgesperrt wurde. In all diesen Abschnitten steht Wasser, und Absperren löst das nicht, weil das Wasser hinter dem Ventil bleibt. Solche Abschnitte gehören zurückgebaut oder konsequent mitgespült.
Wenn ein Haus längere Zeit leer steht, etwa im Urlaub, gehört das Spülen aller Entnahmestellen zur Rückkehr dazu. Lassen Sie warmes und kaltes Wasser an jeder Stelle laufen, bis es die jeweilige Temperatur erreicht. Bei der Dusche ist es sinnvoll, den Kopf vorher abzunehmen oder ihn nicht in den Raum sprühen zu lassen.
Wer regelmäßig länger abwesend ist, sollte das Spülen jemandem übertragen, statt es aufzuschieben. Es genügt, wenn eine Person in der Zwischenzeit einmal durch das Haus geht und überall Wasser laufen lässt. Das ist deutlich weniger Aufwand als die Sanierung eines Netzes, in dem monatelang nichts passiert ist.
Wo die Auslegung hineinspielt
Ein häufiger Konstruktionsfehler ist ein zu großzügig dimensioniertes Netz. Wer Leitungen und Speicher üppig auslegt, verlängert die Verweilzeit des Wassers. Das war früher eine gängige Praxis, gilt heute aber als hygienisch ungünstig. Bei einer Erneuerung wird deshalb oft knapper geplant als vorher.
Ähnlich verhält es sich mit der Zirkulation. Sie sorgt dafür, dass warmes Wasser schnell an der Entnahmestelle ist, muss aber richtig eingestellt sein. Ein Zirkulationsnetz mit schlecht abgeglichenen Strängen kann Bereiche haben, die kaum durchströmt werden, und genau dort entsteht das Problem.
Wärmepumpe und Warmwasser
Beim Umstieg auf eine Wärmepumpe kommt die Hygiene besonders zur Sprache, weil diese Technik gern mit niedrigen Temperaturen arbeitet. Beim Warmwasser sind die Anforderungen aber unabhängig vom Wärmeerzeuger. Die Lösung liegt in der Auslegung von Speicher und Übergabe, nicht darin, die Anforderung zu senken. Lassen Sie sich vom Fachbetrieb erklären, wie er das in Ihrem Fall löst.
Für Vermietende und Eigentümergemeinschaften gelten je nach Anlage zusätzliche Untersuchungspflichten. Ob Ihre Anlage darunter fällt und in welchem Rhythmus geprüft werden muss, sagt Ihnen die zuständige Stelle oder Ihr Fachbetrieb.
Fazit
Warm heiß halten, kalt kalt halten, überall regelmäßig Wasser austauschen: Das ist der Kern der Trinkwasserhygiene. Ungenutzte Leitungsabschnitte gehören zurückgebaut, und nach längerer Abwesenheit wird gespült. Für die konkreten Temperaturen und Prüfpflichten ist der Fachbetrieb der richtige Ansprechpartner.